Persönlich Abschied nehmen

Wer einen lieben Angehörigen ins Sterben hinein begleitet, erlebt die Zeit des Hinüberscheidens sehr nachhaltig: den letzten Augenblick und Atemzug, die tiefe Stille und dann nach und nach das Erkalten des Körpers samt seinen finalen Veränderungen. Das Miterleben hilft, die Wirklichkeit des Todes zu begreifen, auch wenn dafür die Worte und das rationale Verstehen fehlen mögen.

Anders ergeht es Menschen, die die Nachricht vom Tod ihres Angehörigen überbracht bekommen. Manche beschreiben später, dass sie nach Erhalt diese Nachricht wie abwesend waren, es einfach nicht fassen konnten oder sich fühlten, wie in einem Traum.

Vielen ist es dann ein unmittelbares Bedürfnis, den Verstorbenen noch einmal sehen und ihn berühren zu können. Manchen tut es auch gut, noch etwas tun zu können, wie z. B. den Verstorbenen zu waschen und anzukleiden. Dieses Aufnehmen der Situation mit allen Sinnen macht es leichter, die Endgültigkeit des Todes zu erfassen. Begleitpersonen wollen manchmal die Betroffenen von dieser Konfrontation zurückhalten in dem Wunsch, sie zu schützen beispielsweise vor einem entstellten Körper. Die Praxis zeigt jedoch, dass den Trauernden, vorausgesetzt sie haben das Bedürfnis, den Verstorbenen zu sehen, für diese schmerzhafte aber oftmals auch als heilsam erlebte Begegnung meist ungeahnte Kräfte wachsen.

Hausaufbahrung: ein alter Brauch wird neu belebt

Viele Menschen wissen nicht, dass eine Hausaufbahrung möglich und erlaubt ist: Hinterbliebene dürfen einen Verstorbenen in seinem Zuhause aufbahren lassen, so wie es früher allgemein üblich war. Auch wenn der Tod in einem Krankenhaus oder Pflegeheim eingetreten ist, ist es möglich, den Verstorbenen für eine Hausaufbahrung nach Hause überführen zu lassen.

In den meisten Bundesländern ist hierfür die Dauer von 36 Stunden vorgesehen, in einigen Ländern 24 oder 48 Stunden. Mit einem entsprechenden Antrag kann die Frist jedoch problemlos durch die örtliche Ordnungsbehörde oder das Gesundheitsamt verlängert werden.

Hinterbliebene brauchen oft Zeit und eine geschützte Umgebung, um die Unfassbarkeit des Todes mit Herz und Verstand zu realisieren und um sich bewusst zu verabschieden. Die eigene vertraute Umgebung bietet hier häufig die besten Bedingungen: Man kann zum Beispiel mal einige Zeit alleine und dann wieder mit Freunden und Nachbarn beim Verstorbenen sitzen und auch wieder aus dem Zimmer gehen und den Verstorbenen doch gleich nebenan wissen. Man kann sich gemeinsam erinnern oder in Schubladen nach alten Fotos suchen, Musik hören, in der Küche einen Kaffee kochen oder sich auch mal etwas hinlegen und ausruhen.


Weitere Informationen:
Leitfaden "Handeln in Zeiten der Trauer": Abschied nehmen im Krankenhaus
Leitfaden "Handeln in Zeiten der Trauer": Abschied nehmen im Pflegeheim
www.gute-trauer.de