Sonderurlaub im Todesfall eines Angehörigen

Stirbt ein Angehöriger, steht nahen Familienmitgliedern Sonderurlaub zu. Der Umfang hängt dabei von der Nähe zum Verstorbenen ab. Darüber hinaus können Arbeits- oder Tarifverträge Einzelheiten regeln. Wer sich als Arbeitnehmer wegen eines Trauerfalls freinehmen möchte, sollte seine Rechte kennen.

Nach dem Tod naher Verwandter benötigen die Hinterbliebenen Zeit, um Abschied zu nehmen und die wichtigsten Angelegenheiten zu regeln. In einem gewissen Rahmen gewährt der Gesetzgeber diese Zeit in Form von bezahltem Sonderurlaub für Arbeitnehmer. Aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch leiten Juristen einen Anspruch zumindest für Ehegatten, Lebenspartner, Kinder, Geschwister, Eltern, Enkel und Großeltern ab.

Die Länge des Sonderurlaubs

Die Länge des Sonderurlaubs richtet sich vor allem nach der Nähe zum Verstorbenen. Beim Tod von Ehegatten und Kindern gewähren Arbeitgeber üblicherweise drei bis vier Tage, beim Tod eines Elternteils ein bis zwei Tage. Betroffene können damit rechnen, dass Gerichte bei Ehegatten und Kindern in den allermeisten Fällen wenigstens zwei Tage und bei Tod eines Elternteils zumindest einen Tag zusprechen. Dazu ist der Arbeitgeber im Regelfall verpflichtet.

Bei weiter entfernten Verwandten oder sonstigen nahe stehenden Personen gewähren Arbeitgeber unter Umständen zumindest einen unbezahlten Urlaubstag. Hier wäre im Einzelfall abzuwägen, ob es unzumutbar ist zu arbeiten. Angenommen wird dies bei einer besonderen persönlichen Bindung zu einer im eigenen Haushalt lebenden Person, zum Beispiel bei Lebensgefährten.

Mitunter regeln Tarifverträge, beim Tod welcher Angehöriger Arbeitnehmern wie viele Tage bezahlter oder unbezahlter Urlaub zustehen. Auch Arbeitsverträge können den Umfang des Anspruchs festlegen. Theoretisch können die Verträge Sonderurlaub für Arbeitnehmer ausdrücklich zusprechen oder in weiterem Umfang gewähren, aber auch einschränken oder ausschließen. Darüber hinaus spielt die Länge des Arbeitsverhältnisses bisweilen eine Rolle.

So setzen Sie Ihr Recht durch

Sollte sich ein Arbeitgeber auch nach bestem Zureden weigern, Sonderurlaub zu gewähren, können Sie Ihr Recht durchsetzen, indem Sie beim zuständigen Arbeitsgericht eine einstweilige Verfügung beantragen. Manchmal genügt es aber schon, dem Arbeitgeber zuvor höflich mitzuteilen, dass man im Falle der Ablehnung des Urlaubsantrages einen solchen Antrag für eine einstweilige Verfügung stellen werde.

Zuständig ist das Arbeitsgericht, in dessen Bezirk der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung regelmäßig erbringt (dies können Sie für sich zum Beispiel hier herausfinden: http://zustaendiges-gericht.de). An dem Gericht bzw. der dortigen Antragstelle können Sie mündlich Ihr Anliegen schildern und sich beim Antrag helfen lassen. Bringen Sie dazu am besten Sterbeurkunde und Arbeitsvertrag mit. Im Regelfall wird dem Antrag dann binnen weniger Stunden/eines Tages entsprochen. Teurer, aber auch einfacher ist es, die Sache einem Anwalt zu übergeben, der den Antrag dann in Vertretung für den Betroffenen stellt.

In der folgenden PDF-Datei finden Sie eine ausführliche Darstellung zum Thema Sonderurlaub im Todesfall eines Angehörigen, die sorgfältig die rechtlichen Hintergründe beleuchtet: Sonderurlaub im Trauerfall (Langfassung)
www.gute-trauer.de