Das Grab und andere Orte der Trauer

Als besonderer "Ort der Trauer" gilt gemeinhin das Grab. Doch wer einen Trauerfall selbst durchlebt hat weiß, dass Trauer sich mit vielen Orten verbinden kann, die so eine ganz besondere Bedeutung im Trauerprozess bekommen. Sei es, weil man einen Ort in der Erinnerung mit bestimmten, emotional bedeutsamen Ereignissen verbindet oder sei es, weil man diese Orte in der Trauer gezielt aufsucht.

Der Ort des Sterbens

Besondere Bedeutung hat beispielsweise der Ort des Sterbens. So schwer es ist, einem lieben Menschen im Sterben nahe zu bleiben, so tröstlich empfinden es auch viele, vor Ort gewesen zu sein und diesen Dienst erweisen zu können.

Vielfach bleibt der Ort des Sterbens für die Hinterbliebenen ein besonderer Platz, den sie gezielt als Ort der Trauer gestalten: z. B. ein Straßenkreuz, das später an den Unfall erinnert, oder ein Kinderzimmer, das wie ein Tabernakel unberührt bleibt über den Tag hinaus, an dem darin Sohn oder Tochter starb.

Orte der Erinnerung

Oft liegen Grab und Wohnort der Angehörigen weit entfernt, so dass diese bei sich Zuhause eine Erinnerungsecke gestalten, wo sie ihrer Trauer Platz geben können.

Eine besondere Bedeutung bekommen auch Orte, an denen man mit dem Betrauerten Wichtiges erlebt hat oder Wege, die man zuletzt mit ging, ein Platz, den der Verstorbene gern aufsuchte usw. Dort kann man sich dem Verstorbenen oft besonders nahe fühlen und entdecken, wie er im Inneren präsent bleibt.

Neue Trauerorte

Die Veränderungen der Bestattungskultur haben auch zum Entstehen neuer Trauerorte geführt: Früher führte ein fester Bogen die Trauernden vom Sterbeort zur Leichenhalle, Kirche und Grab und von dort wieder zurück nach Hause. Heute gibt es viele andere Orte, die ebenfalls stark von der Trauer berührt sind, wie z.B. ein Abschiedsraum beim Bestatter oder im Krematorium.

In Krankenhäusern und Altenheimen gibt es immer öfter ansprechend gestaltete Abschiedsräume. An Schulen oder Arbeitsstellen, finden sich Trauernischen mit Bildern, Kondolenzbüchern, Kerzen, Blumen, etc um eines verstorbenen Mitschülers oder Kollegen zu gedenken.

Immer häufiger wird auch die virtuelle Welt des Internets zu einem Ort, an dem Menschen ihrer Trauer Ausdruck geben. Ob eine eigene Seite oder ein Beitrag in einem größeren Netz, die Möglichkeiten, Trauer am PC zu durchleben werden immer vielfältiger.

Auch der Treffpunkt einer Trauergruppe wird zu einem besonderen Ort, an dem in einem geschützten Rahmen Erinnerungen aufbrechen können und Trauer gelebt werden kann.

Das Grab

Trotzdem bleibt der konkrete Ort, an dem die sterblichen Überreste des Verblichenen zur Ruhe gebettet wurden, für viele Menschen ein zentraler Ort ihrer Trauer. Selbst anonyme Grabfelder sieht man mit Blumen versehen, die Angehörige hilflos irgendwo deponieren, weil sie den genauen Platz nicht erfahren durften.

Der Weg der Trauer

Der Trauerweg führt uns wie eine Spirale immer wieder an verschiedene Orte unserer Trauer. Und an diesen Orten können wir vielleicht erkennen, dass wir uns in unserer Trauer langsam weiterentwickeln, denn jeder Gang zum Grab beispielsweise wird sich etwas anders anfühlen, als der vorherige. Und der Gang hin zum Grab wird immer anders aussehen als von dort zurück ins neue Leben.


Weitere Informationen:
Leitfaden "Handeln in Zeiten der Trauer": Die Wahl der Grabstätte
www.gute-trauer.de