Erscheinungsformen und Einflussfaktoren

Trauer tritt in ganz unterschiedlichen und äußerst vielfältigen Erscheinungsformen auf. Sie lässt sich nicht mit einigen wenigen Merkmalen beschreiben. Sie betrifft den Körper ebenso wie die Emotionen, das Verhalten gleichermaßen wie das Denken.

Beispiele für Trauerreaktionen auf emotionaler Ebene sind: Schmerz, Kummer, Empfinden von emotionaler Leere, Sehnsucht, Angst, Panik, Schuldgefühle, Liebe, Wut, Erleichterung.

Beispiele für Trauerreaktionen auf körperlicher Ebene sind: Kraftlosigkeit, Überempfindlichkeit, körperliche Schmerzen, Schlafstörungen, Herz-Kreislaufstörungen, Verdauungsbeschwerden.

Beispiele für Trauerreaktionen auf Verhaltensebene sind: Weinen, Schreien, Sprechen über die verstorbene Person, Erstarrung, innere Ruhelosigkeit, überaktives Verhalten, Desorganisation, feindseliges Verhalten, sozialer Rückzug, mechanisches Funktionieren, Vermeidungsverhalten, erhöhter Alkohol-, Nikotin- oder Medikamentenkonsum.

Beispiele für Trauerreaktionen auf kognitiver Ebene sind: Anhaltendes Grübeln, z. B. über die Todesumstände oder den Sinn des Lebens, die Suche nach Schuld, Gedankenleere, Gedankenrasen, Verleugnung, Halluzinationen, vermindertes Selbstwertgefühl.

Einflussfaktoren auf Trauer

Wie lange und wie sehr Betroffene auf ihre Weise leiden, lässt sich kaum beantworten. In vielen Fällen dauert die Trauer aber länger als von Betroffenen, Laien und von Fachkräften angenommen wird. Die Länge und Intensität der Trauer hängt oft mit einem ganz wesentlichen Faktor zusammen: Der Art und Enge der Beziehung, die den Betroffenen mit der verstorbenen Person verbunden hat. Es zeigt sich jedoch auch, dass nicht nur sehr harmonische, enge Beziehungen, sondern auch ambivalente oder konfliktreiche Beziehungen, intensives Trauererleben hervorrufen können.

Trauernde Menschen stellen sich und anderen oftmals die Frage, ob das, was sie im Zusammenhang mit dem Tod eines nahestehenden Menschen erleben, normal ist. Was als normale Reaktion im Zusammenhang mit Trauer verstanden wird, ist nicht zuletzt geprägt von der Gesellschaft, in der Betroffene leben. Alle Kulturen und Ethnien kennen das Phänomen Trauer. Doch was als normal und gesund erachtet wird, ist oftmals sehr unterschiedlich. Auf Bali zum Beispiel müssen sich Trauernde zu jeder Zeit nach dem Verlust ruhig und glücklich geben. Tun sie es nicht, verstärkt das bei Freunden und Bekannten die Angst, der Trauernde könne Opfer von Hexerei und Zauberei werden. Dies wird anderen Gesellschaften sehr fremd vorkommen.

Neben den gesamtgesellschaftlichen Aspekten hängt das Trauererleben aber auch noch von vielen anderen Einflüssen ab, die dazu führen, dass Trauer von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich erlebt wird. Hier einige Beispiele: Bin ich sozial gut eingebunden oder stehe ich alleine da? War mein Leben bereits vor dem Verlust schwierig und belastet, vielleicht durch eine familiäre Krise oder Krankheit? Bringt der Verlust finanzielle Probleme mit sich? Waren die Todesumstände dramatisch oder haftet den Todesumständen ein gesellschaftliches Vorurteil an? Bin ich im Allgemeinen eine Persönlichkeit, die optimistisch und zuversichtlich denkt? Glaube ich daran, dass in dem, was mir im Leben geschieht, ein tieferer Sinn verborgen ist?

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