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08.07.2019

Die Einsamkeit nach dem Verlust eines Menschen

Artikel des Trauerforschers Kenneth Doka


"Ich hätte nie gedacht, dass ich mich so einsam fühlen könnte", sagte March als ihr Mann Tony starb. Nach dem Verlust war sie auf alles gefasst: Wut, Traurigkeit, Schuld, doch mit der schmerzlichen Einsamkeit hatte sie nicht gerechnet.

In einem Artikel für Psychology Today beschreibt Professor Kenneth Doka, dass er darin keine ungewöhnliche Reaktion sieht. Wenn Menschen Tag für Tag ihr Leben miteinander teilen, dann kann der Verlust eine große Lücke reißen, die täglich, manchmal sogar stündlich spürbar ist. Die gemeinsamen Abende, der Austausch, gemeinsam essen, zusammen Fernsehschauen, all das müssen Betroffene auf einmal alleine machen.

Das Gefühl von Einsamkeit kann sich noch verstärken, wenn Angehörige oder Freunde sich abwenden und kein Verständnis für die Trauerreaktionen haben. Eine echte Herausforderung für Betroffene.

Doch sie sind nicht machtlos. Als erstes gilt es herauszufinden, wann das Gefühl von Einsamkeit immer auftritt. Gibt es bestimmte Tage oder Momente, wo das Gefühl besonders stark ist? Wenn sich ein Muster zeigt, dann lässt sich auch eine Lösung finden.

Für March war der Sonntagnachmittag immer besonders schlimm, denn das war die Zeit, die sie häufig alleine mit Tony verbracht hatte. Als sie das erkannte, plante sie jede Woche aufs Neue, was sie am Sonntagnachmittag unternehmen würde. An dem Tag wollte sie nicht mehr alleine sein. Etwas später in ihrem Trauerprozess begann sie sogar sonntags immer ehrenamtlich in der Essensausgabe der Gemeinde zu arbeiten. So lernte sie wieder neue Menschen kennen. Die Tätigkeit stärkte ihr Selbstbewusstsein und sie gewann die Überzeugung, dass sie die Krise und die Einsamkeit, die der Tod ihres Mannes mit sich gebracht hat, bewältigen kann.

Den Originalartikel finden Sie unter:
www.psychologytoday.com/ca/blog/good-mourning/201906/the-loneliness-grief