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04.09.2019

Tränen beim Sprechen über die verstorbene Mutter

Offenes Gespräch über Verlusterfahrungen auf CNN


Im August sprachen Anderson Cooper und Stephen Colbert im Fernsehsender CNN sehr offen über die Auswirkungen, die Verlusterfahrungen in jungen Jahren mit sich bringen können. Beide waren 10 Jahre alt. Cooper verliert den Vater durch einen plötzlichen Herzinfarkt. Colbert seinen Vater und zwei Brüder durch einen Flugzeugabsturz. Sie sind sich darüber einig, dass die Verluste ihre Weltsicht, ihre Prioritäten im Leben und das, was aus ihnen geworden ist, geprägt haben.

Die Autorin des hier beschriebenen, in der New York Times erschienenen Artikels, Hope Edelmann, kennt diese Erfahrungen nur zu gut. Ihre Mutter starb 1981 an Brustkrebs, Edelmann ist da 17 Jahre alt. In ihrem Artikel beschreibt sie ihre Erfahrungen im Umgang mit dem Verlust.

So ging Edelmann damals davon aus, dass Trauer in fünf Phasen verlaufen würde. Sie versuchte diese schnell und mit Bravour zu meistern. Als sie nach drei, fünf und auch noch nach 10 Jahren merkte, dass sie in gewissen Momenten ihre Mutter immer noch schmerzlich vermisste, glaubte sie, sie müsse etwas falsch gemacht haben.

Einige Bücher und Therapien später erkannte sie, dass die Verarbeitung nicht phasenhaft erfolgt. Die Idee, dass die Trauer irgendwann abgeschlossen sei und man so weitermachen könne wie vorher, ist schlichtweg falsch.

Stattdessen sind Verlusterfahrungen ein ganzes Leben lang spürbar. Die eigene Hochzeit, der Schulabschluss oder auch andere besondere Anlässe rufen die Erinnerung an die verstorbene Person hervor. Doch auch ganz alltägliche Dinge wie ein bestimmtes Lied können diese auslösen. Meist legt sich der Schmerz nach kurzer Zeit wieder. Die Erinnerungen aber bleiben.

Cooper ist sich sicher, dass der Tod seines Vaters "seinen Lebensweg beeinflusst hat. Aus mir ist eine andere Person geworden als vorgesehen war."

In westlichen Industrienationen ist der Tod ein Tabuthema, wird häufig gesagt. Edelmann lehnt dieses Label ab. Sie ist vielmehr der Überzeugung, dass die Menschen es einfach und bequem haben wollen und deshalb versuchen, das Thema schnell hinter sich zu lassen.

Doch wenn Kinder Verluste erleiden, gibt es keinen einfachen, schnellen und bequemen Weg. Das haben Cooper und Colbert auf CNN deutlich gemacht. Eltern, Lehrer, Angehörige und Freunde sind dazu aufgerufen, sie adäquat zu unterstützen.

Das kann aber nur in einer gut informierten Gesellschaft gelingen, die sich nicht um schwierige Themen herumdrückt.

Den Originalartikel finden Sie unter:

https://www.nytimes.com/2019/08/25/opinion/mothers-childhood-grief.html