Startseite |   Meldungen   |   Warum Trauernde in dieser Gruppe boxen


25.11.2019

Warum Trauernde in dieser Gruppe boxen

Bericht aus Indianapolis bei www.wfyi.org


Es ist Freitagabend und insgesamt ein Dutzend Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder treffen sich im TITLE Box Club, Indianapolis. Sie nehmen hier an einem Boxkurs teil. Dieser wird von der Organisation Overdose Lifeline angeboten. Wie der Autor des Artikels, Carter Barrett, erklärt, unterstützt die Organisation suchtbelastete Familien. Gruppenangebote für Trauernde gab es dort schon immer. Doch der Boxkurs für Trauernde ist neu. Er steht grundsätzlich allen Trauernden offen.

"Viele Teilnehmer in unseren Trauergruppen hatten so viel Wut in sich", erklärt die Gruppenleiterin Stephanie Lowe Burry, "Wut auf den Dealer, Wut auf die Sucht, Wut auf sich selbst". So konzipierten sie einen Boxkurs, damit die Betroffenen ein Ventil für ihre Wut bekamen.

Auch an diesem Abend hallen die gezielten Schläge der Teilnehmer auf ihren Boxsack durch den Raum. Zwischen den körperlichen Einheiten führt Lowe Burry durch eine angeleitete Meditation.

An einem der Säcke steht Erica Watkins. Mit Kreide kritzelt sie den Namen Joey seitlich auf ihren Boxsack. Nur zehn Monate bevor er starb, fand sie heraus, dass er süchtig war. "Er war mein einziges Kind", sagt sie, "Joey starb an einer Überdosis". In anderen Trauergruppen hatte sie sich nicht wohl gefühlt. Sie spürte die Blicke, die Abwertung, weil ihr Sohn süchtig und an seiner Sucht gestorben ist. Doch sie war das erste Mitglied im Boxkurs für Trauernde und fühlt sich seitdem hier gut aufgehoben.

"Hier kommt keiner einfach so hin zum Boxen", sagt Lowe Burry, "Jeder weiß genau, wofür er kämpft."

Mehr dazu finden Sie in dem Originalartikel unter::

https://www.wfyi.org/news/articles/why-this-group-handles-grief-by-boxing