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04.05.2020

Bestattungen via Zoom - eine einsame Angelegenheit

Erfahrungsbericht einer Betroffenen


Die Großmutter von Lori Perlow ist gestorben. Sie teilt den Kollegen mit, dass die Bestattung am nächsten Tag stattfindet und sie sich nachmittags dafür freinehmen wird. Am nächsten Tag setzt sie sich wie immer an den Schreibtisch, schaltet den Computer ein und ruft Zoom auf. Doch nicht, um mit den Kollegen etwas zu besprechen, sondern um an der Bestattung ihrer Großmutter teilzunehmen. Durch die Einschränkungen zur Eindämmung von COVID-19 sind vor Ort nur maximal 10 Personen erlaubt und die Familie von Perlow ist groß.

Die Bestattung via Zoom mitzuverfolgen, fühlt sich furchtbar an, berichtet sie. Respektlos. Kein mitfühlendes Wort, keine Umarmungen. Perlow sieht Menschen mit Mund-Nasen-Schutz, die weit voneinander entfernt stehen. 2Es fühlt sich unwirklich AN", sagt sie, "so als würde man einen Film schauen, aber man ist Teil davon.2 Ihre Großmutter hat den Holocaust überlebt. Perlow findet, sie hat eine würdevollere Bestattung verdient.

Die Autorin des hier beschriebenen Artikels von www.technologyreview.com, Abby Ohlheiser, hat sich mit den Problemen, die die Einschränkungen auf Bestattungen haben, beschäftigt. Doch sie schreibt, dass es lange vor COVID-19 schon Bestattungen gab, die per Video übertragen wurden, weil Angehörige oder Freunde nicht rechtzeitig vor Ort sein konnten. Auch die Probleme, die für Betroffene daraus erwachsen können, sind nicht neu. Neu ist, dass Menschen Sterben, Tod und Trauer stärker wahrnehmen, gleichzeitig aber das Gefühl haben, weniger Trost spenden zu können. Der Trost ist genau das, was Lori Perlow fehlt.

Die Bestatter geben ihr Bestes, um die Bestattungen für die Angehörigen und Freunde so würdevoll wie möglich zu gestalten. Doch die fehlende Zuwendung können auch sie nicht ersetzen. Stattdessen versuchen sie durch viele kleine Hinweise, die Angehörigen dazu anzuregen, eigene Rituale zu entwickeln, die ihnen dabei helfen, sich an die verstorbene Person zu erinnern und sich an die neue Lebenssituation anzupassen. So wie es auch Lori Perlow machen wird. Wenn die Einschränkungen in New Jersey gelockert werden, wird sie zum Haus ihrer Großmutter fahren und den Lieblingsrosenstrauß im Garten ihrer Großmutter ausgraben und in ihren eigenen Garten verpflanzen. So wird ein Teil ihrer Großmutter immer sichtbar bei ihr sein.

Mehr dazu im Originalartikel unter:

www.technologyreview.com/2020/04/13/999348/covid-19-grief-zoom-funerals