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25.05.2020

Tod durch COVID-19: Die Trauer fühlt sich unwirklich an

Bericht über Betroffene


Anfang April ist der Schwager von Karen Blanks im Krankenhaus an Covid-19 verstorben. Sie und ihr Ehemann konnten ihn in den letzten Lebenstagen nicht mehr besuchen, auch eine Verabschiedung am Sterbebett war unmöglich. Sie haben beschlossen, dass die Beerdigung erst stattfinden soll, wenn alle Angehörigen und Freunde daran teilnehmen können. "Es fühlt sich so unreal an", sagt Karen, "als wäre ich in einem dichten Nebel gefangen. Ich kann es einfach nicht begreifen."

Stacey Silvas‘ Vater verstarb im März an Covid-19. Seither kämpft sie mit Schuldgefühlen. Kurz vor seinem Tod rief ihr Vater nochmals bei ihr an. Das Sprechen fiel ihm schwer, er trug schon eine Sauerstoffmaske. Stacey konnte ihn nicht verstehen. Scheinbar genervt legte ihr Vater auf. Eine Woche später starb er. Es war das letzte Gespräch, das sie mit ihm geführt hat. Angehörige und Freunde versuchen sie zu trösten, doch sie kann es sich nicht verzeihen, dass sie ihren Vater nicht verstanden und gesagt hat, wie sehr sie ihn liebt.

Bettina Boxall, die Autorin des hier beschriebenen Artikels der Los Angeles Times, hat sich mit Betroffenen und Experten über die Auswirkungen der Verordnungen zur Eindämmung von COVID-19 unterhalten.

Dale Larson, Professor für Psychologie an der Santa Clara University, erklärt, dass die Verordnungen und Restriktionen den meisten Erkrankten und Angehörigen Schwierigkeiten bereiten. "Die Sorge für den Angehörigen in der letzten Lebensphase ist nicht mehr möglich. Wichtiges bleibt unausgesprochen, Konflikte können nicht mehr geklärt werden. Menschen können nicht mehr Abschied voneinander nehmen", führt Robert Neimeyer, Direktor des Portland Institute for Loss and Transition, aus. Dale ist der Ansicht, dass Fachkräfte zukünftig vermehrt mit problematischen Trauerverläufen konfrontiert sein werden.

Doch nicht nur Angehörige und Erkrankte haben mit der veränderten Situation zu kämpfen. Pflegekräfte, Sterbebegleiter, Sozialarbeiter sowie Seelsorger machen alle ihre ganz eigenen Erfahrungen im Umgang mit den Einschränkungen. So wird etwa die Sozialarbeiterin Rachel Rusch nie das entsetzte Gesicht einer Mutter vergessen, der sie mitteilen musste, dass nicht die gesamte Großfamilie im Raum sein durfte, wenn ihre Tochter stirbt.

Die Corona-Pandemie hat nicht nur zahlreichen Menschen den Tod gebracht, sondern bringt auch viele Probleme für die Hinterbliebenen mit sich. Selbst nachdem ein Impfstoff gefunden wurde, werden einige Trauernde immer noch unter Schuldgefühlen und länger anhaltender Trauer leiden, weil ihnen die Nähe zu ihren Liebsten versagt worden ist.

Den Originalartikel finden Sie unter:

www.latimes.com/california/story/2020-05-17/coronavirus-grief-trauma-death