Startseite |   Meldungen   |   Alle Verluste dürfen betrauert werden


01.07.2021

Alle Verluste dürfen betrauert werden

Scheinen sie auch noch so klein zu sein


Stirbt eine Bezugsperson, wird es gesellschaftlich als normal angesehen, dass die Hinterbliebenen trauern. Unterstützung erfahren sie häufig von Angehörigen und Freunden. Doch wie sieht es aus, wenn der Nachbar stirbt oder wenn jemand seinen Arbeitsplatz verliert? Erkennt das Umfeld diese Verluste auch an und unterstützt die Betroffenen?

Verluste können sehr unterschiedlicher Art sein, doch Trauer ist in allen Fällen die Reaktion darauf. Erleben Menschen einen Verlust und wird dieser wenig oder gar nicht anerkannt, dann kann das die Belastung bei den Betroffenen erhöhen, etwa weil sie meinen, nicht trauern zu dürfen. Dieses Phänomen hat unter Experten einen eigenständigen Namen: Disenfranchised grief. Das heißt, ein Verlust wird weniger oder gar nicht durch das soziale Umfeld anerkannt.

Kavitha Cardoza und Clare Marie Schneider haben mit dem Experten Kenneth Doka, der den Begriff Disenfranchised grief geprägt hat, und dem Therapeuten David Defoe darüber gesprochen, warum es wichtig ist, die erlebten Verluste anzuerkennen und zu betrauern. "Vielleicht empfinden Sie es als Verlust, dass die Bars und Restaurant geschlossen haben, denn dadurch sehen sie ihre Freunde seltener, vielleicht können sie ihrer ehrenamtlichen Arbeit in Zeiten von Corona nicht nachgehen und damit ist ihnen ein Teil ihres Lebenssinns verloren gegangen", zählt Doka auf. "Dies sind alles Verluste und Trauer ist die Reaktion darauf" erklärt er, und Trauer zeige sich nicht nur, wenn jemand verstorben sei.

Doka hält es für wichtig, dass wir uns unserer persönlichen Verluste bewusst sind und diese uns selbst gegenüber anerkennen. Erst dann macht es Sinn, sich mit seinen Gefühlen an Menschen zu wenden, die das Erlebte mit einem teilen und tragen. Auch Rituale sind für Betroffene hilfreich. Denn sie machen den Verlust sichtbar und helfen dabei, das, was verloren gegangen ist, zu würdigen. Passen bestehende Rituale nicht oder gibt es keine, macht es Sinn, Neue zu entwickeln.

Verlusterfahrungen sind Teil des Lebens. "Man überwindet diese nicht einfach", sagt Defoe, "sondern man findet einen Umgang mit ihnen."

Den Originalartikel finden Sie unter:

www.npr.org/2021/06/02/1002446604/the-importance-of-mourning-losses-even-when-they-seem-small?t=1625049235345