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30.09.2021

Besser keinen irreführenden Vorstellungen zum Thema Trauer anhängen

Ein Gespräch mit einer Psychologin und Expertin für Verlustverarbeitung


"Wenn ich weiß, dass jemand trauert, versuche ich alles, damit sich die betroffene Person besser fühlt", erzählt, die Autorin eines Artikels im Portal Psychcentral.com, Taneasha White. Doch sie weiß mittlerweile, dass es für Betroffene nicht hilfreich ist, wenn sie das tut. Trauernde können nicht auf Knopfdruck in eine bessere Stimmung versetzt werden. Sie weiß auch, dass sie mit dem Wunsch, etwas Hilfreiches zu tun, damit sich Betroffene gleich wieder besser fühlen, nicht alleine ist. Viele Menschen versuchen, Betroffenen auf diese Art zu helfen.

In diesem Artikel spricht White mit einer amerikanischen Psychologin und Expertin für Verlustverarbeitung. "In unserer Kultur sind Glück und Freude gleichbedeutend mit Gesundheit", erklärt Meghan Devine, "alles, was dieses positive Lebensgefühl stört, wird als Problem angesehen, das schnellstmöglich gelöst werden muss." Erfahren Menschen einen Verlust, kann aber genau das zum Problem werden. Trauernde brauchen unser Mitgefühl und das häufig über viele, viele Monate und Jahre. Aufmunternde Sätze wie etwa "Sei froh, Ihr hattet zumindest ein langes gemeinsames Leben" sind nicht hilfreich. Das Anerkennen der aktuellen schwierigen Situation ist hingegen viel wichtiger.

Die Verlustverarbeitung ist ein prozesshaftes Geschehen. Kein Trauerprozess gleich dem anderen. Er ist jedoch stark von den Vorstellungen beeinflusst, die in der Gesellschaft zum Thema Trauer vorliegen. Und einige der Vorstellungen sind schlicht falsch.

  • Trauer ist nach einer bestimmten Zeit zu Ende und Hinterbliebene finden zu ihrer früheren Lebenstüchtigkeit zurück: Diese Vorstellung ist nicht angemessen. Trauer hat kein festes Ende. Die Verlustverarbeitung braucht so lange wie sie braucht, es gibt keine zeitliche Vorgabe und das ist in Ordnung. Viele Menschen lernen mit der Zeit, mit dem Verlust zu leben - gehen wieder arbeiten, treffen sich mit Freunden, erleben wieder viele positive Momente - doch der Verlust bleibt und traurige Momente können immer wieder auftreten.
  • Trauer tritt nur im Zusammenhang mit dem Tod eines Menschen auf: Auch diese Vorstellung ist nicht zutreffend. Trauer ist die natürliche Reaktion auf einen Verlust. Es sind aber zahlreiche Verlustobjekte vorstellbar, z.B. Verlust des Haustiers, Verlust von Gliedmaßen, Jobverlust, Verlust von Karrierechancen, Verlust von Heimat.
  • Trauernde verarbeiten den Verlust in einer Abfolge von Phasen wie sie z.B. Elisabeth Kübler-Ross beschrieben hat: Auch diese Vorstellung ist falsch. In Studien konnte empirisch nicht bestätigt werden, dass Betroffene Verluste tatsächlich so verarbeiten. Die Vorstellung eines phasenhaften Verlaufs kann sogar zusätzliche Probleme bei Betroffenen hervorrufen. Denn es wird zu viel Gewicht auf emotionale Prozesse gelegt, wichtig sind aber auch die Gedanken, das Verhalten der Betroffenen sowie die lebenspraktischen Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind.
Trauer ist natürlicher Teil des Lebens - genauso wie sich verlieben. Wenn Menschen sich selbst und anderen in Verlustsituationen mit Mitgefühl begegnen und keinen irreführenden Vorstellungen nachhängen, macht es die Situation für Betroffene leichter.

Den Originalartikel finden Sie unter:

psychcentral.com/health/refuge-in-grief#17