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06.05.2022

Wenn ein Elternteil stirbt und man erst in den Zwanzigern oder Dreißigern ist

Besondere Herausforderung, weil wenig andere es erlebt haben


In aller Regel gehen junge Erwachsene davon aus, dass sie ihre Eltern überleben werden. Stirbt ein Elternteil oder beide bevor sie erwachsen sind, trifft sie das hart. Millennials werden zunehmend später im Leben erwachsen, sei es aus freien Stücken oder z.B. aufgrund von Wohnraummangel. Die späten 20er und frühen 30er Jahre gelten laut einer kürzlich durchgeführten YouGov-Umfrage als die besten Jahre des Lebens. Doch was passiert, wenn diese Generation einen Elternteil verliert? Dieser Frage ist Olivia Atkins, die Autorin eines Artikels für vice.com nachgegangen.

"Einen Verlust zu erleiden, kann in jedem Alter eine Herausforderung darstellen", meint Nici Harrison, "aber für Hinterbliebene in ihren 20ern und 30ern ist es besonders schwierig, weil nur wenige Freunde das schon erlebt haben." Nici Harrison ist Gründerin von The Grief Space, einer Plattform, die durch Workshops und Trauergruppen andere Betroffene unterstützt.

Harrison weiß nur zu gut, wie sich der Verlust eines Elternteils im jungen Erwachsenenalter anfühlen kann. Sie gründete The Grief Space im Jahr 2020, nachdem sie ihre Mutter durch Suizid verloren hatte, als sie 23 Jahre alt war. Obwohl ihre Mutter seit vielen Jahren mit Depressionen lebte, war ihr Tod ein Schock und der Verlust schmerzhaft.

"Meine Trauer hat mich so tief berührt wie nichts zuvor2, sagt sie. "Ich fühlte mich von der Welt abgeschnitten. Es hat mich verändert. Ich habe eine Therapie gemacht, aber ich brauchte auch einen Raum, um mich mit anderen auszutauschen, die auch ihre Eltern verloren hatten. Am Ende wollte ich wollte das schaffen, was ich mir in der Zeit gewünscht habe ... also gründete ich The Grief Space."

Viele junge Menschen haben schon den Austausch über diese Seite gesucht. So auch eine junge Frau, deren Vater plötzlich verstarb als sie 23 Jahre alt war. Sie hat erlebt, welche Umstände die Verlustverarbeitung noch zusätzlich beeinträchtigen können. "Mein Vater war arm, als er starb", erzählt sie, "um seine Beerdigungskosten zu bezahlen, musste ich eine Ratenzahlung vereinbaren. Ich war sehr enttäuscht, dass er nicht daran gedacht hatte, wenigstens etwas Geld beiseite zu legen, um sicherzustellen, dass es nicht an mir hängen bleiben würde. Es war niederschmetternd zu sehen, wie die Zahlungen jeden Monat von meinem Konto abgebucht wurden, sie machten meinen Trauerprozess nur noch schwerer."

Der Verlust eines Elternteils in der Phase des Erwachsenwerdens kann daran erinnern, wie kostbar und vergänglich die Zeit ist. Junge Menschen sind kreativ und suchen häufig nach alternativen Verarbeitungsstrategien - sei es in Form von Spiritualität, Therapie, Flucht oder Freundschaft - wie bei allen anderen auch ist es ein individueller Prozess. "Alles, was Sie fühlen, ist willkommen", sagt Harrison. "Ich verspreche, dass sich mit der Zeit etwas verändert. Niemand muss 'darüber hinwegkommen', aber jeder wird seinen Weg finden, ein neues Leben aufzubauen."

Den Originalartikel finden Sie unter:

www.vice.com/en/article/n7nykd/grief-and-loss-millennials