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31.08.2022

Wie man den Tod einer "toxischen" Person verarbeitet

Was kann helfen?


Trauer ist ein Prozess, der sehr individuell verläuft und den man nicht kennt, solange man ihn nicht durchlebt hat. Experten sagen, dass es keinen richtigen oder falschen Weg zu trauern gibt. Doch wenn es sich bei der verstorbenen Person um jemanden handelt, dem gegenüber man widersprüchliche Gefühle hatte - zum Beispiel ein toxisches Elternteil oder ein Ex-Ehepartner, mit dem man sich jahrelang widerwillig die Kindererziehung teilte -, bekommt man leicht das Gefühl, etwas falsch zu machen. Die Autorin Brittany Wong hat sich in ihrem Artikel bei huffpost.de damit beschäftigt, wie es diesen Menschen geht und was sie tun können, um den Verlust verarbeiten zu können.

"Diese Klienten sind häufig verwirrt und wissen nicht, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen sollen", sagt Michelle Chalfant, eine Therapeutin aus Nashville, Tennessee. "Sie wollen wissen, wie sie mit ihren Emotionen - oder dem Mangel daran - im Zusammenhang mit dem Verlust umgehen können."

Chalfant beschrieb eine Klientin, die nach dem Tod ihrer narzisstischen Mutter Hilfe bei ihr suchte. Die Frau, ein Einzelkind in ihren 40ern, hatte sich im Laufe der Jahre aus Gründen des Selbstschutzes von ihrer Mutter distanziert. Nach dem Tod ihrer Mutter empfand die Klientin eine seltsame Mischung von Gefühlen. Traurigkeit, weil ihre Mutter gestorben ist, aber auch Dankbarkeit, dass sie ihrer Mutter nicht mehr ausgesetzt war.

"Sie schämte sich, so zu empfinden, und wollte Klarheit darüber, ob sie ein 'schlechter Mensch' war, weil sie sich in gewisser Weise über das Ende dieser Beziehung freute", sagte Chalfant. "Sie brauchte auch Hilfe bei der Verarbeitung des Verlustes einer Beziehung, die sie hoffte, eines Tages mit ihrer Mutter pflegen zu können." Doch mehr als alles andere suchte die Betroffene nach Bestätigung für ihre widersprüchlichen Gefühle. "Das ist ein häufiges Thema bei Menschen in dieser Art von Szenario", sagte Chalfant."Sie fragen sich, wie sie sich fühlen 'sollten', aber in Wahrheit gibt es kein bestimmtes Gefühl, das sie fühlen sollten. Es ist für jede Person, die Trauer erlebt, einzigartig."

Ideen, die in solchen Situationen helfen könnten:

  • Zeigen Sie Mitgefühl für sich selbst. "Die meisten von uns", weiß Professor M. Katherine Shear, "selbst diejenigen, die anderen gegenüber viel Mitgefühl zeigen, tun sich schwer damit, sich selbst mitfühlend gegenüber zu begegnen und anzuerkennen, dass emotionaler Schmerz eine universelle menschliche Erfahrung ist. Wenn wir uns selbst negativ beurteilen, verstärkt das nur den Schmerz einer schwierigen Erfahrung wie dieser."
  • Machen Sie etwas langsamer, atmen Sie durch und schauen Sie in sich hinein. "Wir tendieren dazu, unangenehme Gefühle zu vermeiden. Wenn wir uns Zeit nehmen und unser Lebenstempo verlangsamen, steigen die Emotionen auf und das ist gut so", sagt Chalfant. "Tiefes, langsames Atmen hilft ebenfalls. Der Atem hilft, Emotionen zu bewegen. Wenn Sie sich überdreht oder gestresst fühlen, gehen Sie spazieren oder setzen Sie sich einfach still hin und prüfen Sie, wie Sie sich fühlen."
  • Vergleichen Sie Ihre Trauer nicht mehr der anderer Menschen.
  • Finden Sie einen Weg, Ihre Gefühle auszudrücken, zum Beispiel durch das Führen eines Tagebuchs. Fragen Sie sich, was Sie fühlen. Wenn Sie sich betäubt fühlen, schreiben Sie darüber, so Chalfant. Wenn Sie sich traurig fühlen, schreiben Sie darüber. Schreiben Sie einfach darüber, was ist und nicht darüber, was sie fühlen sollten. "Tagebuchschreiben ist etwas ganz Persönliches und alles, was Sie schreiben, ist perfekt", so Chalfant. "Niemand kann etwas falsch machen."
  • Vielleicht noch besser: Schreiben Sie einen Brief an die Person, die Sie verloren haben. Schreiben Sie einen Brief an die verstorbene Person, ohne diesen abzuschicken. Sagen Sie alles, was Sie sagen würden, wenn die Person direkt vor Ihnen stehen würde. Diese Übung eignet sich besonders gut, wenn man es mit komplizierten, scheinbar widersprüchlichen Gefühlen zu tun hat.
Den Originalartikel finden Sie unter:

www.huffpost.com/entry/grieving-someone-who-hurt-you_l_62ed56f3e4b0ecfe3f708516