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Trauern in außergewöhnlichen Zeiten

Stirbt ein Mensch, der uns nahestand, dann ist das häufig eine schwierige Situation. Viele sind geschockt, aufgebracht, besorgt. Es fällt schwer, zu verstehen, was passiert ist, gerade auch, wenn der Verlust plötzlich passiert ist und kein Abschied möglich war. Die Konzentration auf die alltäglichen Dinge scheint kaum möglich. Alle aufkommenden Gefühle sind normal, dazu zählen auch Wut und Angst. Meist fühlen sich die Reaktionen gerade in den ersten Wochen ungewohnt an und sie können mit der Zeit intensiver werden.

In der Regel sind in dieser Zeit die Familienangehörigen und Freunde füreinander da. Sie treffen sich, tauschen Erinnerungen aus, weinen gemeinsam, nehmen sich in den Arm, unterstützen einander so gut es geht.
Doch durch die aktuelle Situation ist dieser direkte Kontakt nicht oder nur eingeschränkt möglich. Wir möchten Ihnen hier Anregungen geben und Sie so in diesen außergewöhnlichen Zeiten unterstützen.



10 Ideen für Trauernde, wie Sie in diesen Tagen gut für sich sorgen können!

  1. Ziehen Sie sich nicht ganz zurück. Ihr Umfeld kann Sie im Moment nicht besuchen. Aber Sie können Beileidsbekundungen, Anteilnahme und Unterstützung über Telefonanrufe, Emails, SMS-Nachrichten oder andere Kanäle erhalten. Nehmen Sie auch diese Formen als aufrichtige Anteilnahme entgegen.
    Falls Sie wenig von den anderen Menschen hören, werden Sie ruhig von sich aus tätig. Denn es kann sein, dass sich auch die Anderen erst an die neuen Einschränkungen gewöhnen müssen. Bitten Sie ruhig um ein Gespräch von 10 bis 15 Minuten. Versuchen Sie diese Zeit einzuhalten. So haben weder Sie noch Ihre Angehörigen und Freunde das Gefühl, dass sie überfordert werden. Wenn das Gespräch dann doch länger andauert, so ist das auch in Ordnung. Trauen Sie sich auch ruhig am Ende des Gesprächs nachzufragen, ob Sie sich morgen/übermorgen wieder bei der Person melden können.

  2. Verluste sind schmerzhaft. Drücken Sie Ihre Trauer so aus wie es sich für Sie richtig anfühlt! Es gibt keinen „falschen“ Weg zu trauern.
    Wenn Ihnen nach Weinen zumute ist, dann weinen Sie. Wenn Sie Ihre Gedanken aufschreiben möchten, machen Sie das. Richtig ist, was Ihnen guttut. Aber Vorsicht: Rauchen und das Trinken von Alkohol hilft nur beschränkt und greift das Immunsystem eher an als dass es ihren Körper stärkt. Lieber nicht!

  3. Bleiben Sie weiter in Kontakt zu Ihrer Familie und Ihren Freunden. Insbesondere zu denjenigen, die Ihnen guttun. Wenn es passt, vereinbaren Sie feste Zeiten für ein Gespräch, dann können Sie sich gegenseitig mit dem Anrufen abwechseln oder überraschen sie einander.

  4. Rufen Sie mindestens einmal am Tag eine vertraute Person an, insbesondere wenn sie allein daheim sind.

  5. Nutzen Sie die sozialen Medien wie beispielsweise WhatsApp, Signal. Ein regelmäßiger Austausch über diese Kanäle hilft dabei, sich nicht abgeschnitten zu fühlen. Vergessen Sie nicht, es gibt noch andere Menschen, die auch einen Verlust erlitten haben und trauern. Vielleicht finden Sie einander und können sich austauschen.

  6. Achten Sie darauf regelmäßig zu essen und ausreichend zu trinken. Das ist wichtig für Ihren Körper, die Verlustverarbeitung ist ein anstrengender Prozess.

  7. Routinen helfen dabei, Ihrem Alltag eine Struktur geben. Halten Sie deshalb z.B. regelmäßige Zeiten für Aufstehen, zu Bett gehen und die Mahlzeiten aufrecht. Gehen Sie, soweit Sie können, regelmäßig an die frische Luft und bewegen Sie sich. Vielleicht bietet ja auch Ihr Fitnessstudio online Kurse an. Machen Sie auch zuhause mit.
    Vor allem die Nächte könnten jetzt schwer sein. Um dem nächtlichen Grübeln und Wachliegen entgegenzuwirken, machen Sie sich doch einen Plan, was Sie in der Nacht tun können, wenn es Ihnen nicht gelingt, (wieder) einzuschlafen. Überlegen Sie sich, ob Fernsehschauen, ein Buch lesen, Musik hören hilfreich für Sie ist. Vielleicht geht es Familienangehörigen oder Freunde sogar ähnlich, vielleicht ist es möglich, auch mitten in der Nacht mit jemanden zu telefonieren. Wenn Sie große Sorgen haben, ist vielleicht auch der Anruf bei der Telefonseelsorge eine Idee.
    Mögliche Rufnummern:
    0800 1110111 – evangelische Telefonseelsorge
    0800 1110222 – katholische Telefonseelsorge
    116123 Rufnummer für telefonische Betreuungsdienste
    Lokale psychosoziale oder psychiatrische Krisendienste sind ebenfalls rund um die Uhr erreichbar (z.B. Berliner Krisendienst 030 390 63 10).
    Es ist wichtig, dass Sie wissen, Sie tun könnten. Machen Sie sich einen Plan für das nächtliche Aufwachen. Dann brauchen Sie nur einen Blick auf den Plan zu werfen, um zu wissen, was Sie tun können.

  8. Sind auch Kinder von dem Verlust betroffen, dann sprechen Sie mit ihnen darüber. Erklären Sie ihnen in einfachen Worten, was passiert ist. Beantworten Sie immer wieder ihre Fragen. Zeigen Sie ihnen gegenüber ruhig Ihre Gefühle. Kinder können Verluste gut verarbeiten, wenn sie in den Erwachsenen gute Vorbilder haben. Es gibt auch gute Bücher, die Kindern aller Altersgruppen Verlustsituationen gut erklären. Sie können diese auch online bestellen.

  9. Sind Kinder von dem Verlust betroffen, dann kann es sein, dass sie in der einen Minute weinen und in der nächsten schon wieder lachen. Das ist völlig in Ordnung. Kinder verarbeiten die Trauer auf ihre Weise. Lassen Sie sie ihren Umgang damit finden.

  10. Versuchen Sie, Ihren Nachrichtenkonsum etwas einzuschränken. Wenn Sie sich traurig und/ oder ängstlich fühlen, kann Sie die ständige Beschäftigung mit den neuesten Nachrichten zusätzlich belasten.
Es gibt inzwischen auch gute Webseiten, die sich mit Angstgefühlen beschäftigen und erklären, was Sie dagegen steuern können.
Zum Beispiel:
https://www.angst-panik-hilfe.de/panikanfall-umgang.html

Bedenken Sie:
Verlustzeiten sind schwierige Zeiten! Versuchen Sie Kräfte zu sparen. Passen Sie Ihren Alltag an die Verlustsituation an, indem Sie sich nicht überfordern. Entdecken Sie Ihren Weg, um mit dem Verlust auch in diesen ungewöhnlichen Zeiten umzugehen. Überlegen Sie sich vielleicht auch, was Ihnen in anderen Krisen geholfen hat. Bleiben Sie wohlwollend und freundlich sich selbst gegenüber und setzen Sie sich nicht unnötig unter Druck!




5 Möglichkeiten, wie Sie Menschen helfen können, die trauern

Erleben Menschen, die uns nahestehen, einen Verlust, so ist es vielen ein Bedürfnis, sie in der Situation zu unterstützen. Auch wenn die Hilfsmöglichkeiten derzeit eingeschränkt zu sein scheinen: Es gibt immer noch vieles, was Sie tun können!

  1. Denken Sie darüber nach, was die betroffene Person als hilfreich empfinden könnte. Schreiben Sie ihr eventuell eine Karte, schicken Sie regelmäßig SMS-Nachrichten oder stellen Sie einen kleinen Blumenstrauß vor die Tür. So weiß die Person, dass sie in dieser Situation nicht alleine ist.

  2. Denken Sie daran, die betroffene Person nicht nur in den ersten Wochen zu unterstützen, sondern über Monate hinweg. Trauer ist ein langer Prozess. Er dauert häufig länger an als die meisten Menschen meinen.

  3. Fragen Sie die betroffene Person, wie Sie sie am besten unterstützen können. Erteilen Sie keine Ratschläge oder erzählen Sie nicht von eigenen Verlusten. Hören Sie lieber aufmerksam zu, auch wenn Sie meinen, der Betroffene erzählt immer wieder das Gleiche. Das ist normal und dient der Realisierung dessen, was passiert ist.

  4. Bieten Sie der betroffenen Person nicht nur emotionale Unterstützung an, sondern auch lebenspraktische Hilfe. Gehen Sie z.B. für sie einkaufen. Denn manchmal haben Betroffene nur noch wenig Kräfte für alltägliche Dinge. Schenken Sie ihr eventuell ein nächtliches Telefonat, wenn Sie wissen, dass die Nächte schwer für die Person sind. Aber verabreden Sie eine bestimmte Nacht und Uhrzeit, so dass sich niemand erschreckt.

  5. Erkundigen Sie sich bei der betroffenen Person, ob sie Schwierigkeiten hat, technische Geräte (z.B. Handy, Computer) zu bedienen. Falls es Probleme gibt, helfen Sie ihr diese zu lösen. Es ist in der aktuellen Lage ganz besonders wichtig, dass Betroffene die Kommunikation mit Hilfe von Sozialen Medien aufrechterhalten können. Unterstützung über soziale Medien ist vielleicht nicht jedermann Sache, doch aktuell bieten einige ihre Hilfen insbesondere online an.

Realisation und Information in Kooperation mit:
https://hospicefoundation.ie/bereavement-2-2/covid19-care-and-inform/

Weiterführende Informationen


Weitere Informationen zum Thema Trauer finden Sie hier:
www.gute-trauer.de
www.trauerforschung.de

Trauerfachkräfte in Ihrer Nähe finden Sie hier:
https://www.gute-trauer.de/trauerhilfe/beratungsstellen
https://bv-trauerbegleitung.de/angebote/trauerbegleitende/
(Fragen Sie bei den Stellen nach, ob und wie die Fachkräfte gerade im Moment dort tätig sind.)

Informationen zum Thema COVID-19 finden Sie zum Beispiel hier:
https://www.ndr.de/nachrichten/info/Corona-Podcast-Alle-Folgen-in-der-Uebersicht,podcastcoronavirus134.html (für Laien, die wissen möchten, wie die aktuellen Informationen zu bewerten sind)
https://taz.de/Corona-Infos-auf-Arabisch/!5672503/ (Für Menschen, deren Muttersprache arabisch ist)
https://taz.de/Corona-Infos-auf-Tuerkisch/!5668665/ (Für Menschen, deren Muttersprache Türkisch ist)
https://taz.de/Corona-Infos-auf-Russisch/!5672244/ (Für Menschen, deren Muttersprache Russisch ist)
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus/coronavirus-leichte-sprache.html (In ganz einfachen Worten erklärt)