Wie sich Verluste auf Personen mit Autismus auswirken

Bericht einer Betroffenen

Kopf einer Bronzeskulptur, den Kopf gesenkt

Im Portal https://conversationalist.org berichtet die Autistin Marianne Eloise über den Tod ihres Großvaters . Damals wusste sie nicht, wie sie den Verlust verarbeiten sollte. Dann traf sie andere, denen es genauso ging:

Es gibt eine Folge der Serie namens "Buffy - Im Bann der Dämonen", an die ich oft denke und die mich heute noch genauso erschüttert wie damals, als sie zum ersten Mal sah. Buffys Mutter Joyce stirbt. Auf dem Bildschirm sind ihr kaltes Gesicht, ihre steifen Gliedmaßen und das Knacken ihrer Rippen, als ihre Tochter versucht, sie wiederzubeleben, zu sehen. In der Folge werden auch die individuellen Verlustreaktionen der einzelnen Figuren gezeigt. Zudem wird daran erinnert, dass es keinen richtigen Weg gibt zu trauern. Ich weine jedes Mal, wenn ich mir diese Folge ansehe. Mich bewegen die Gefühlsausbrüche und stillen Erschütterungen aller Beteiligten. Am meisten kann ich mich mit der Figur Anya identifizieren, einer ehemaligen Dämonin, der die menschliche Sterblichkeit und die menschlichen Gefühle neu sind und die nicht in der Lage ist, das Geschehene zu verarbeiten. Es scheint als würde sie der Tod gar nicht berühren. Buffys beste Freundin Willow ist darüber verärgert, weil sie glaubt, dass Anya nicht so leidet wie der Rest der Gruppe.

Ich kann nicht gut mit Verlusten umgehen. Häufig wird angenommen, dass Autisten, ähnlich wie Ex-Dämonen, überhaupt keine Gefühle haben. Das Gegenteil ist der Fall. Wir empfinden Dinge oft sehr tief. Das wirkt sich auf jeden Aspekt unseres Funktionierens aus. Aus diesem Grund kann es eine Weile dauern, bis wir Dinge verarbeiten oder sie nach außen hin ausdrücken können. Tod und Trauer bilden keine Ausnahme.

Als mein Großvater im Sterben lag, nur wenige Wochen bevor er mich zum Traualtar führen sollte, dachte ich, ich hätte einen Weg gefunden, um mit der Trauer umzugehen. Ich ließ alles stehen und liegen, ging nicht arbeiten und nahm mir die Zeit, die ich brauchte, um diese Situation zu verarbeiten. Es war vergeblich. Der Tod ist unlogisch und ungerecht. Ich weiß, dass ein Mensch nicht sein Körper ist, aber wenn sein Körper stirbt, ist er nicht mehr da und kann nicht mehr in ihn zurückkehren. Mein Großvater war hier, dann wurde er krank und konnte ich ihn nicht mehr anrufen, um über die Vögel in seinem Garten zu sprechen. Ich konnte es nicht akzeptieren.

Nachdem ich mit einigen anderen Autisten gesprochen habe, scheint es, dass viele von ihnen ähnliche Schwierigkeiten bei der Verlustverarbeitung haben. Wir versuchen uns auf zukünftigen Kummer vorzubereiten. Doch das geht oft auf Kosten der gegenwärtigen Freude.

Ich wollte unbedingt "richtig" trauern, den Verlust gut verarbeiten, aber mein Körper war anderer Meinung. Ich war wütend, fühlte mich nicht wie ich selbst. Irgendwann wurde mir klar, dass es sich bei dem, was ich erlebte, um Trauer handelte. Ich war nicht nur wütend oder machte etwas "falsch" oder mühte mich grundlos ab. Mir saß der Verlust in den Knochen.

Trauer wirkt sich auf jeden Menschen anders aus. Aber autistische Menschen, insbesondere Frauen, verbringen bereits viel Zeit damit, alle Schwierigkeiten zu verbergen, die sie damit haben, in einer Welt zu leben, die nicht für sie geschaffen ist. Wenn wir Trauer erleben, verstärkt sich dieser Drang noch. Das Bedürfnis, die Trauer auf eine "gute", angemessene Art und Weise zu zeigen, führt dazu, dass wir sie vielleicht gar nicht zum Ausdruck bringen.

Die meiste Zeit des ersten Jahres ohne meinen Großvater war ich sehr wütend. Ich konnte niemanden ansehen, ohne zu denken: Was soll das? Sie werden sterben. Sie könnten jetzt sterben. Warum diese Bindungen aufbauen, diese Zeit miteinander verbringen?

Als Autist neige ich dazu, unglaublich tiefe Beziehungen einzugehen. Ich weiß, wie man liebt und wie man Beziehungen pflegt. Nachdem ich für diesen Artikel mit anderen Autisten gesprochen habe, fühle ich mich endlich, wenn schon nicht normal, so doch zumindest nicht falsch, was die Art und Weise betrifft, wie ich meinen Kummer verarbeitet habe. Es ist eine Erleichterung andere gefunden zu haben, denen es ähnlich geht.

Der Originalartikel findet sich hier:

https://conversationalist.org/2024/01/19/grief-autism-processing-death-buffy/