"Friends"-Crew trauert um Matthew Perry

Wie geht man mit dem Verlust eines Freundes um?

Kreuz und Schrift RIP am Giebel einer Trauerhalle

Bei Gesprächen über Sterben und Tod geht es oft um den Verlust von Familienmitgliedern. Die Reaktionen auf den vor Kurzem gestorbenen "Friends"-Darsteller Matthew Perry verdeutlichen, dass Trauer auch mit dem Verlust eines Freundes einhergeht. In vielen Fällen kann dieser Verlust gleichbedeutend oder sogar größer sein als der Verlust eines Familienmitglieds.

Perrys "Friends"-Mit-Darsteller (und enge Freundinnen bzw. Freunde) veröffentlichten zwei Tage nach seinem Tod am 28. Oktober eine gemeinsame Erklärung, in der sie sich als "mehr als nur Darsteller" bezeichneten. "Wir sind eine Familie", hieß es in der Erklärung. "Es gibt so viel zu sagen, aber im Moment werden wir uns einen Moment Zeit nehmen, um zu trauern und diesen unfassbaren Verlust zu verarbeiten."

Wie können Menschen den Verlust eines engen Freundes verarbeiten? Erin Kataya, die Autorin des hier wiedergegebenen Artikels (im englischsprachigen Original: https://news.northeastern.edu/2023/10/31/matthew-perry-death-friend/), hat sich darüber mit Christie Rizzo, Professorin für angewandte Psychologie an der Northeastern University in den USA unterhalten.

Wie unterscheidet sich der Verlust eines engen Freundes vom Verlust eines Verwandten?

Der Verlust eines engen Freundes führt uns oft unsere eigene Sterblichkeit vor Augen. Ein enger Freund ist in der Regel jemand, der in etwa gleich alt ist. Das bringt uns alle dazu, über unsere eigene Verletzlichkeit nachzudenken, und das kann an und für sich schon ziemlich erschütternd sein.

Außerdem fühlen wir alle ein unterschiedliches Maß an Verbundenheit mit verschiedenen Menschen in unserem Leben. Der beste Freund ist vielleicht jemand, der einem nähersteht als eine Schwester oder ein Bruder. Es ist wichtig, Trauer nicht nach dem Etikett der Person zu beurteilen. Manchmal kann der Tod eines Freundes, einer Freundin genauso groß sein wie der Verlust eines Familienmitglieds.

Können Menschen auch um eine Person trauern, die sie nicht persönlich kannten?

Matthew Perry war Teil einer Sendung, die vielen Menschen etwas bedeutet hat. Aus diesem Grunde trauern Menschen, obwohl sie die Person nicht persönlich gekannt haben. Sie hatten aber das Gefühl, sie zu kennen. Manche Menschen empfinden diese Verbindung zu öffentlichen Personen eher als andere. Wenn man bedenkt, dass man diese Person jahrelang jede Woche im Fernsehen gesehen hat, wird sie zu einem Teil des eigenen Lebens. Auch wenn es sich um eine Figur handelt und man nicht unbedingt den Prominenten hinter der Figur kennt. Dennoch ist diese Person im eigenen Leben präsent. Man kann diesen Verlust durchaus spüren, denn es hat etwas Vorhersehbares, wenn man einige dieser Personen im Fernsehen sieht.

Welche Möglichkeiten gibt es, mit dem Verlust einer Person umzugehen, die kein Verwandter ist - sei es ein enger Freund oder eine Person des öffentlichen Lebens?

Soziale Unterstützung ist wichtig. Es gibt andere Menschen da draußen, denen es genauso geht. Es gibt technische Möglichkeiten, Gleichgesinnte zu treffen. Die Suche nach diesen Menschen und der Austausch hilft dabei, sich nicht isoliert zu fühlen.

Immer, wenn man traurig oder deprimiert ist, sollte man sich um sich selbst kümmern. Schlaf und Bewegung können sehr hilfreich sein, um die Stimmung zu heben. man sollte versuchen, nach draußen zu gehen, einen Spaziergang zu machen und nicht in diesen depressiven Zustand abzudriften. Die meisten Menschen kommen gut mit ihrer Trauer zurecht.

Oft erhalten wir nach einem Verlust viel Unterstützung. Sie lässt aber mit der Zeit erheblich nach. Wie lange hält Trauer an?

Trauer ist etwas, das eher in Wellen kommt und geht. Im Laufe der Zeit wird man immer wieder Momente erleben, in denen man trauert. Das ist bei allen Arten von Verlusten der Fall. Mit der Zeit werden die emotionalen Reaktionen nicht mehr so stark ausfallen, und man kann sich immer schneller davon erholen.

Wenn man einen nahestehenden Menschen verliert, kann es sein, dass man sein ganzes Leben lang Momente hat, in denen man traurig ist. Traurigkeit wird manchmal pathologisiert. Viele wollen die Traurigkeit so schnell wie möglich überwinden; aber das ist ein normaler Gefühlszustand und es ist in Ordnung, traurig zu sein. Wenn man jemanden verliert, der einem nahe steht, wird man möglicherweise für den Rest seines Lebens Wellen der Traurigkeit erleben. Das ist nur ein Ausdruck dafür, wie viel einem die Person bedeutet hat, und das ist in Ordnung.

Die verbliebenen "Friends"-Darsteller gaben eine gemeinsame Erklärung ab. Was können wir daraus lernen, wie wichtig ist soziale Unterstützung?

Sie kann unglaublich wichtig sein. Es geht aber auch um die Rituale, die wir mit der Trauer verbinden. Wenn jemand stirbt, gibt es vielleicht eine Beerdigung. Oder es gibt eine Zeit, in der sich alle versammeln, Geschichten erzählen und über die Person sprechen.

Im Fall der "Friends"-Besetzung ist es eine großartige Möglichkeit, zusammenzukommen und die Dinge gemeinsam zu verarbeiten (zumindest eine gemeinsame Erklärung abzugeben), um sich mit den Erinnerungen auseinanderzusetzen und das Unbehagen zu spüren.

Den Originalartikel finden Sie unter:

https://news.northeastern.edu/2023/10/31/matthew-perry-death-friend/