Joe Biden spricht als erster Präsident im Weißen Haus über Trauer

Im Podcast "All There Is" mit Anderson Cooper

Das Weiße Haus hat eine unglaubliche Menge an persönlichem Leid und Tragödien erlebt, aber Joe Biden ist vielleicht der erste Präsident, der offen mit den Amerikanern über die Verarbeitung von Verlusten spricht.

Als Abraham Lincolns Sohn Willie im Weißen Haus an Typhus starb, durchlebte seine Frau Mary eine lange Zeit der Trauer. Die Lincolns verbrachten den größten Teil der verbleibenden Präsidentschaft außerhalb des Weißen Hauses und versuchten, dem Haus, in dem ihr Sohn starb, zu entkommen.

Calvin Coolidges Sohn Calvin Jr. zog sich beim Tennisspielen im Weißen Haus eine Blase am Zeh zu. In jenen Tagen, als es noch keine Antibiotika gab, starb er an der daraus resultierenden Infektion. Coolidge, ein stoischer Politiker, der als "Silent Cal" bekannt war, gab später zu, dass der Verlust seines 16-jährigen Sohnes ihn verändert hatte. "Als er starb, gingen die Macht und der Ruhm des Präsidentenamtes mit ihm", schrieb Coolidge in seiner Autobiographie.

So viele Präsidenten haben Kinder und Geschwister verloren, oft bevor sie gewählt wurden. Sowohl John Adams als auch sein Sohn John Quincy Adams mussten den Tod ihrer Kinder hinnehmen. George H.W. Bush verlor 1953 eine Tochter. Bidens persönliche Liste von Tragödien ist wohlbekannt. Seine erste Frau Neilia und seine 13 Monate alte Tochter Naomi starben 1972 bei einem Autounfall, kurz nachdem er als Senator aus Delaware in den Kongress gewählt worden war. Sein Sohn Beau starb 2015 an einem Hirntumor. In einer neuen Folge des Podcasts "All There Is" sprach Biden mit Anderson Cooper von CNN über die Verarbeitung dieser Verluste.

Dass Biden über Verwundbarkeit spricht - seine eigene Verwundbarkeit - ist in Bezug auf sein politisches Leben nicht neu. Aber sein Gespräch mit Cooper, das er im Weißen Haus geführt hat, ist einzigartig für einen amerikanischen Präsidenten. Denn alle Männer haben bislang in unterschiedlichem Maße versucht, unverwundbare Macht auszustrahlen, indem sie sich bemühten, ihre Verluste und Krankheiten zu verbergen, anstatt durch sie mit den Menschen in Beziehung zu treten. Das Teilen eigener Verluste und Trauer mit der amerikanischen Gesellschaft war bisher kein präsidiales Attribut. Jemand wie Bill Clinton hatte keine Angst zu sagen: 'Ich fühle deinen Schmerz', aber er sagte nicht: 'Ich habe Schmerzen'. Biden macht es anders. Er hat sich das zu eigen gemacht, was in früheren Präsidentschaften als Schwäche angesehen worden wäre. Insbesondere in der von Donald Trump. Dieser bemühte sich über alle Maßen, Ärzte zu finden, die ihn als übermenschlich beschreiben, und der einen epischen Fototermin inszeniert hat, um den Anschein zu erwecken, dass das Covid-19-Virus, das ihn fast getötet hätte, keine Auswirkungen hatte.

Ein Witz über die Kennedy-Familie, die ihr Image in der Öffentlichkeit sorgfältig kontrollierte, ist die oft wiederholte, über Generationen weitergegebene Ermahnung, dass "Kennedys nicht weinen". Dabei sind Präsidenten auch nur Menschen. Sie erleiden die gleichen persönlichen Tragödien wie jeder andere auch.

Alle Präsidenten repräsentieren ihre eigene Zeit, und die derzeitige amerikanische Ära unter Biden ist eine, in der die Menschen weniger Kinder bekommen und weniger Kinder sterben. Der Tod kommt kaum im Alltag vor. Dennoch ist er allgegenwärtig. Deshalb ist es wichtig, über Sterben, Tod und Trauer zu sprechen.

Den Originalartikel finden Sie unter:

https://edition.cnn.com/2023/12/06/politics/presidents-biden-grief-what-matters/index.html