"Spielen Sie nicht Gott in Gesprächen über das Lebensende"

Die Einschätzung von Fachleuten aus dem Gesundheitswesen

Viele Ärztinnen und Ärzte empfinden es als schwierig Familien zu sagen, dass ein Ende dessen erreicht ist, was die medizinische Versorgung tun kann und dass eine Heilung nicht möglich ist. Zum Beispiel eine Krankenschwester mit 30 Jahren Erfahrung auf der Intensivstation und in der Notaufnahme sagt, dass das Vermeiden dieser Realität und die falsche Hoffnung auf die nächste Behandlung, das nächste Medikament, die nächste Konsultation, das Grausamste sei, was eine wohlmeinende Pflegekraft tun könne.

Diese Sichtweise war eine von etwa zwei Dutzend Antworten von Fachleuten aus dem Gesundheitswesen auf einen Artikel von Medscape vom Januar 2026 über Gespräche am Lebensende. Der Artikel beschrieb strukturierte Ansätze wie SPIKES (Setting, Perception, Invitation, Knowledge, Emotion, Strategy) und betonte Praktiken wie die Überprüfung des Wissensstands der Patienten und die Einberufung von Familiengesprächen. In den Kommentaren stimmten die Leser weitgehend der Notwendigkeit von Ehrlichkeit zu, konzentrierten sich jedoch darauf, was diese in der Praxis umsetzbar macht: eine klare Sprache, ausreichend Zeit, koordinierte Teams und die Berücksichtigung spiritueller Aspekte, wenn das Thema zur Sprache kommt. So beschrieb etwa Assistenzarzt aus der Neurologie, der häufig Familien über den Hirntod informierte: „Es war oft DAS Thema, das den Patienten in der letzten Phase ihres Lebens Erleichterung verschaffte ... Dies galt sowohl für religiöse Menschen als auch für Atheisten, obwohl die Gespräche natürlich sehr unterschiedlich waren.“ Das Thema Spiritualität kommt häufig zu kurz. Die Überbringung von schwierigen Nachrichten braucht aber auch „viel mehr Zeit als üblich“. 

Andere wichtige Aspekte sind unter anderem:

  • Stille. Den Familien Zeit geben, eine schockierende Nachricht zu verarbeiten und mit dem Arzt im Gespräch zu bleiben.
  • Wiederholung und Tempo. Verlangsamen und noch einmal auf das zurückkommen, was bereits versucht wurde, was gerade passiert und warum die Behandlungen nicht mehr wirken.
  • Unsicherheit eingestehen. Anerkennen, dass Zeitangaben nur Schätzungen sind. Eine Krankenschwester, die im Hospiz tätig ist, sagte, Ärztinnen und Ärzte sollten Familien daran erinnern, dass „Sie nicht Gott sind“ und dass sie sich auch irren können, wenn es darum geht, genau zu sagen, wie viel Zeit noch bleibt.
  • Kontinuität gewährleisten. Explizit darlegen, welche Unterstützung weiterhin besteht, wenn sich die Versorgung auf die Lebensqualität bezieht.

Letztendlich deuten diese Perspektiven darauf hin, dass strukturierte Protokolle Ärzten zwar als Leitfaden dienen können, Gespräche über das Lebensende jedoch von der Umsetzung abhängen: Klarheit ohne Grausamkeit, genügend Zeit, um die Nachricht sacken zu lassen, und Unterstützung, die auch nach den schwierigsten Worten noch vorhanden ist. Eine Krankenschwester drückte es so aus: „Unsere Patienten und ihre Familien verdienen Wahrheit und Ehrlichkeit, auch wenn es schwierig ist.“

Den Originalartikel finden Sie hier:

https://www.medscape.com/viewarticle/dont-play-god-end-life-conversations-2026a10006tf?form=fpf