Studie zeigt: Rassismus beeinflusst die Trauer

Studie des King’s College London und der University of Sheffield

Die bislang größte Studie dieser Art zeigt, dass Rassismus direkten Einfluss darauf hat, wie Menschen den Verlust eines Angehörigen und ihre Trauer erleben. Deshalb dürfen in der Trauerversorgung keine Vorurteile etwa auf der Grundlage der ethnischen Herkunft gemacht werden. Die individuellen Bedürfnisse sind wichtig, auf diese gilt es einzugehen – so das Ergebnis der Studie des King’s College London und der University of Sheffield, die den hier beschriebenen Artikel veröffentlicht haben.

Die Studienteilnehmenden beschreiben, wie sich Rassismus, den sie im Gesundheitswesen, am Arbeitsplatz und sogar in Beratungsräumen erleben, auf die Sterbebegleitung und die Trauerbewältigung auswirkt. Studienteilnehmende aus ganz England berichteten von negativen Erfahrungen, wie zum Beispiel einer Verwandten, die auf einer Krankenhausstation aufgrund ihrer ethnischen Herkunft vernachlässigt wurde, oder einem Imam, der an das Sterbebett eines hinduistischen Mannes geschickt wurde, weil das Personal davon ausging, dass alle „braunen Religionen“ gleich seien. Eine Teilnehmerin berichtete, dass ihr von einer Beraterin gesagt wurde, sie könne über den Tod ihrer Schwester sprechen, aber nicht über den Rassismus, dem sie ausgesetzt war.

Diese Erfahrungen untergruben das Vertrauen, führten dazu, dass sich viele in genau den Einrichtungen, die eigentlich zu ihrer Unterstützung gedacht waren, unwillkommen oder unsicher fühlten, und verstärkten den Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen.

Die Forschenden befragten 121 Hinterbliebene im Alter von 21 bis 81 Jahren mit 13 unterschiedlichen ethnischen Hintergründen. Die Rekrutierung konzentrierte sich auf London, Sheffield, Leicester und Luton, erstreckte sich jedoch über Gemeinschaftsnetzwerke und soziale Medien auf das gesamte Land.

Für Dr. Sabrina Bajwah, Co-Leiterin der Studie, waren es ihre persönlichen Erfahrungen, die sie dazu motivierten, diese Forschung durchzuführen.
Bajwah sagte: „Als mein Bruder unerwartet starb, wurde mir klar, dass drei Generationen meiner Familie dringend professionelle Trauerversorgung benötigten. Bei der Suche nach Hilfe, die kulturell und religiös angemessen war, stieß ich jedoch schnell an meine Grenzen. Ich sah mich gezwungen, den Diensten die Grundlagen meiner Kultur und Religion erklären zu müssen.“

Die Forschungsergebnisse stellen in Frage, dass Trauer ausschließlich eine individuelle Erfahrung ist. Stattdessen zeigen sie, dass die Art und Weise, wie Menschen trauern von ihren Beziehungen, Gemeinschaften, den allgemeinen sozialen Umständen und Erfahrungen mit Rassismus geprägt wird. 
Das Team entwickelte einen neuen Rahmen für die Gestaltung der Trauerversorgung im Vereinigten Königreich und auf internationaler Ebene.

Den Originalartikel finden Sie unter:

https://medicalxpress.com/news/2026-08-racism-people-grief.html