Trauer gesund bewältigen:

Caritas fördert neues interaktives Selbsthilfe-Tool

Ein digitales Selbsthilfe-Tool namens „TruST“ soll den gesunden Umgang mit Trauer unterstützen. Der regionale Caritasverband für die Region Kempen-Viersen e.V. fördert das Projekt, an dem ein Team von Wissenschaftlern, Praktikern und Betroffenen arbeitet. Erste Details erfuhren Interessierte jetzt bei einem Workshop in Viersen.

Seit vielen Jahren unterstützt der Caritasverband für die Region Kempen-Viersen trauernde Menschen, etwa durch ein regelmäßig stattfindendes Trauercafé oder Einzelberatungen. Diese Angebote entstanden aus dem Projekt "Würdige Sterbebegleitung", das der Verband vor 20 Jahren dank der Finanzierung durch die "Nettetaler Stiftung zur Unterstützung von Jugend und Alter" begonnen hat. "Als Verband mit dem Schwerpunkt in Altenhilfe beschäftigt uns das Thema Trauer sehr", sagte Caritas-Vorstand Ulrich Krause, als er jetzt rund 40 Gäste zu dem Workshop unter dem Titel "Ein Klick. Neue Perspektiven. Was steckt in trauerspezifischen Selbsthilfe-Tools?" im Viersener Haus der Caritas begrüßte.

Als Referentin des Nachmittags machte Trauerforscherin Dr. Heidi Müller von der Justus-Liebig-Universität Gießen den Teilnehmenden zu Beginn deutlich, dass die Verarbeitung von Verlusten eine gesellschaftliche Daueraufgabe ist. So sterben Jahr für Jahr in Deutschland mehr als eine Million Menschen - jeder Tod betrifft im Durchschnitt neun Menschen in dessen Umfeld. "Wir sind mit mehr oder weniger neun Millionen Trauernden pro Jahr konfrontiert", erklärte die Wissenschaftlerin, "und es wird uns alle betreffen."

Umso wichtiger wäre es, dass die Gesellschaft über abgesichertes Wissen verfügte, um Trauernde gut unterstützen zu können. "Wissen schafft Halt und damit Sicherheit", betonte Heidi Müller. Aber genau daran fehle es. Beispielsweise sagten zahlreiche Webseiten  im Internet immer noch, Trauer verlaufe in Phasen. "Das ist eine völlig veraltete Idee, die Schäden verursachen kann", so die Referentin. Ein Ziel des Projekts "TruST" sei deshalb, nachweislich gesichertes Wissen über Trauer zu vermitteln. Die wichtigsten Menschen für Trauernde seien Familie und Freunde, gut zwei Drittel aller Betroffenen verarbeiteten ihren Verlust allein mit deren Hilfe. "Dieses System muss gestärkt werden", betonte Heidi Müller. Sie nannte einen weiteren Aspekt: "Meine Mutter hat noch Tote gewaschen, ich hingegen schon nicht mehr. Wir haben uns sehr von den Themen Sterben, Tod und Trauer entfernt. Heute haben viele Menschen Angst, etwas falsch zu machen." Darüber hinaus benötige die Gesellschaft vor allem Empathie, um Trauernde gut unterstützen zu können, fanden die Teilnehmenden. Diesen und weitere Aspekte trugen sie in Arbeitsgruppen zusammen.

"Wir als Gesellschaft müssen mit dem Thema Trauer wieder auf Tuchfühlung gehen und Unsicherheiten abbauen", erklärte Müller. Dazu erarbeitet sie mit anderen das digitale Selbsthilfe-Tool "TruST", das Menschen helfen soll, sicherer zu werden im Umgang Trauer und Trauernden. Dahinter steckt keine künstliche Intelligenz; vielmehr wird eine interaktive Website entwickelt, die kostenfrei rund um die Uhr erreichbar ist und evidenzbasiertes Wissen vermittelt. Außerdem sollen gesundheitliche Potenziale und Ressourcen gestärkt und die Menschen bestärkt werden, gesundheitsfördernde Strategien einzusetzen. Der Gedanke dazu kam Heidi Müller während einer Fortbildung für Palliativmediziner, die bekannten: "Wir fühlen uns oft hilflos, was können wir Betroffenen mitgeben?"

An "TruST" sind die Justus-Liebig-Universität Gießen, die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Caritasverband für die Region Kempen-Viersen beteiligt. Für den Start werden knapp 24.000 Euro benötigt. "Die Derichs-Aretz-Stiftung aus Viersen, der Rotary Club Kempen-Krefeld und die BIB Fair Banking Stiftung der Bank im Bistum Essen unterstützen das Vorhaben, sodass wir rund die Hälfte des Betrags bereits zusammen haben", berichtete Caritas-Fundraiserin Selina Kappes. Ende 2027 soll "TruST" an den Start gehen. Weitere Spenden sind herzlich willkommen. Konto: Caritasverband für die Region Kempen-Viersen e. V., Projekt "Würdige Sterbebegleitung", IBAN: DE86 3205 0000 0000 0013 13.

Quelle: Caritas Viersen