Verlust und Trauer im Profisport

Artikel zu den Grenzen der Leistungsmentalität

Wenn Menschen an Sport denken, denken sie meist an Erfolge, die körperlichen Fähigkeiten der Sportlerinnen und Sportler sowie ihre psychische Belastbarkeit. Selten wird an Todesfälle im sportlichen Kontext und Trauer gedacht. Todesfälle sind auch im sportlichen Kontext unvermeidbar. Doch das Thema wird häufig an den Rand gedrängt und Sportlerinnen, Sportler, Teams und Betreuende erleben wenig Anerkennung ihrer Verluste. Sie müssen sich an den Verlust meist ohne strukturierte Unterstützung anpassen. Die Autorin eines hier wiedergegebenen Artikels bei psychologytoday.com, Michele Kerulls, hat das Thema genauer betrachtet.

Im Sport geht es häufig um Stärke, hart bleiben, um die Kontrolle von Emotionen und das Erbringen von Leistung, egal was passiert. Doch Trauer hat die Eigenschaft, selbst die Grenzen der stärksten Leistungsmentalitäten aufzudecken. Trauer folgt nicht den Regeln des Sports. Und so beschreiben viele Sportlerinnen und Sportler, dass sie in Umgebungen zurückkehren, die unverändert erscheinen. Die täglichen Routinen und Erwartungen bleiben dieselben, aber ein wesentlicher Teil des Teams fehlt – die Person, die gestorben ist.

Wie äußert sich Trauer im sportlichen Umfeld?

Forschungsergebnisse zeigen, dass Verlusterlebnisse im sportlichen Umfeld, darunter auch der Tod eines Mannschaftskameraden, die Identität, die psychische Sicherheit und die Leistungsbeständigkeit beeinträchtigen können (Atkins & Lorelle, 2024; O’Brien et al., 2025). Der Trauerforscher Emilio Parga sagt: „Trauer sieht bei jedem Menschen anders aus. Eine Sportlerin stürzt sich vielleicht voll und ganz ins Training, während ein anderer Schwierigkeiten hat, sich zu konzentrieren. Der eine drückt seine Gefühle offen aus, der andere zieht sich zurück.“

Forschungsergebnisse zeigen durchweg große Unterschiede in der Trauerbewältigung (Atkins & Lorelle, 2024), dennoch vergleichen sich Sportlerinnen und Sportler oft und unerbittlich mit anderen. Sie denken vielleicht: „Warum komme ich damit nicht besser zurecht?“ oder „Alle anderen scheinen in Ordnung zu sein, warum fühle ich mich schlecht?“ Sie zögern häufig, ihre Notlage offenzulegen, aus Angst vor Verurteilung, aus Sorge, schwach zu wirken, oder wegen vermeintlicher Auswirkungen auf ihre Leistung (Küttel et al., 2020; Rice et al., 2016). 

Was wir Menschen sagen können, die Trauer erleben

Trauer braucht keine perfekten Worte. Oft fehlt es in trauernden Teams an der Erlaubnis, die eigenen Gefühle zuzulassen und seine Gedanken mitzuteilen. Sportlerinnen und Sportler warten auf Anerkennung, Trainerinnen und Trainer warten auf Signale, und Stille füllt den Raum zwischen ihnen. „Was Menschen oft am meisten brauchen, ist bemerkenswert einfach“, erklärte Parga. Er sagte, dass einfache Sätze wie diese oft helfen können: „Das ist schwer.“ „Das ist wichtig.“ „Du bist nicht allein.“ Ein Athlet beschrieb die Erleichterung, ähnliche, einfache Worte zu hören: „Wir brauchten keine großen Reden. Wir brauchten nur jemanden, der sagte: ‚Natürlich ist das schwer.‘“

Sportlerinnen und Sportler, Mitarbeitende, Trainerinnen und Trainer und andere Personen im sportlichen Umfeld können Folgendes berücksichtigen:

  • Heben Sie das Teilen von Emotionen als Stärke hervor. 
  • Sagen Sie, dass jeder Trauer anders erlebt und ausdrückt und dass dies völlig normal und ok ist. 
  • Sprechen Sie auch Themen wie Suizid direkt an. Das durchbricht das schweigende Vermeiden.
  • Versuchen Sie nicht, die „richtigen“ Worte zu finden. Ein einfaches „Du bist nicht allein“ kann bedeutungsvoll sein. 
  • Pro-aktiver, kontinuierlicher Kontakt ist für Betroffene meist hilfreich. 
  • Ziehen Sie Fachkräfte hinzu, wenn es nötig wird. 

Trauer hat kein Verfallsdatum

Oft fragen Menschen, wann es ihnen wieder besser gehen wird. Trauer hat kein Verfallsdatum, aber man kann lernen, mit ihr so umzugehen, dass sie sich mit der Zeit anders anfühlt. Im Sport wie im Leben bedeutet Stärke nicht, die Trauer hinter sich zu lassen oder den Verlust zu vergessen; Stärke bedeutet, zu lernen, wie man voranschreitet und gleichzeitig das, was wichtig war, weiterhin würdigt. Trauer verschwindet nicht, aber man kann mit ihr leben, anstatt sich von ihr aufhalten zu lassen.

Den Originalartikel finden Sie unter:

https://www.psychologytoday.com/us/blog/sporting-moments/202603/athletes-grief-and-the-losses-no-one-talks-about