Wohlfühlen in einer sich ständig verändernden Welt

Ratschläge aus der neurowissenschaftlichen Forschung

Mann alleine im Sonnenuntergang

Menschen, die erfolgreich Risiken eingegangen sind, werden sagen, dass Veränderung unvermeidlich ist und dass man sie annehmen sollte. Diejenigen, die sich mal am Abgrund der Ungewissheit befanden, werden sagen, vertrau darauf, dass Du es schaffen wirst. Doch wenn man unsicher ist, wohin die Reise geht, sind diese Empfehlungen so tröstlich wie Wetterberichte. So stellte sich der Autor des hier wiedergegeben Artikels von Psychology Today, Srini Pillay, die Frage, was Menschen tun können, wenn Sie in die Zukunft blicken und unsicher sind.

Die neurowissenschaftliche Forschung hat fünf Schlüsselbereiche identifiziert, die helfen, mit der Ungewissheit umzugehen. Ungewissheit entsteht durch die Mehrdeutigkeit von Informationen, äußere und innere Störfaktoren, unzureichende Informationen oder unvollkommene Informationsverarbeitung. Wenn sich Menschen Schritt für Schritt mit den Aspekten befassen, können sie gut mit Ungewissheit umgehen.

Das können Sie tun:

Bei Mehrdeutigkeit von Informationen: Interpretieren Sie neu!

Menschen reagieren vielleicht verzögert auf Ihre E-Mails, senden Ihnen uneindeutige Signale bezüglich der Sicherheit Ihres Arbeitsplatzes oder lassen Sie Ihre Beziehungen infrage stellen. Diese Mehrdeutigkeit kann bedrohlich wirken. Die neurowissenschaftliche Forschung deutet darauf hin, dass manche Menschen anfälliger dafür sind, Dinge negativ zu interpretieren. Deshalb:

  • Hinterfragen Sie Ihre erste Reaktion. Wenn etwas mehrdeutig ist, kann Ihre erste Interpretation negativer sein, als die Situation rechtfertigt.
  • Halten Sie inne, bevor Sie entscheiden, was es bedeutet. Geben Sie Ihrem Gehirn Zeit, andere Erklärungen in Betracht zu ziehen.
  • Suchen Sie nach einer positiveren Möglichkeit. Fragen Sie sich: „Was könnte das noch bedeuten?“

Bei Informationsflut: Filtern Sie!

Jeden Tag werden Sie etwas über die Gefahren von KI, Bedrohungen für Ihren Arbeitsplatz, zufällige gewalttätige Ereignisse oder eine globale Katastrophe lesen. Es ist wichtig, informiert zu sein. Aber ebenso wichtig ist es, zwischen informiert zu sein und ständig vorgewarnt zu werden, zu unterscheiden. Deshalb:

  • Reduzieren Sie die Informationsflut. 
  • Lenken Sie die Aufmerksamkeit auf die wirklich wichtigen Informationen.

Bei auftretender Unsicherheit: Beruhigen Sie sich!

Manchmal sind Sie bereits beunruhigt, besorgt, überfordert, traurig oder enttäuscht. Dies kann dazu führen, dass sich Ungewissheit noch schlimmer anfühlt. Tatsächlich sagen bereits verunsicherte Menschen in 75 Prozent aller Fälle falsch voraus, dass schlechte Dinge passieren werden, obwohl dies nicht der Fall ist. Deshalb:

  • Reduzieren Sie Überforderung.
  • Erinnern Sie sich daran, dass Ihr Gehirn ein natürlicher Negativ-Verstärker ist.
  • Planen Sie jede Woche ein positives Ereignis in Ihren Tag ein.

Unzureichende Informationen: Denken Sie anders!

Manchmal ist die Zukunft einfach nicht vorhersehbar. Sie haben vielleicht keine Ahnung, ob Ihr Arbeitsplatz erhalten bleibt, oder Sie haben keine Ahnung, ob Sie eine Beziehung finden werden, die Sie sich wünschen. Deshalb:

  • Hören Sie damit auf, Unvorhersehbares vorherzusagen.
  • Seien Sie besonders zuversichtlich.
  • Kontrollieren Sie nicht. Nutzen Sie Ihre Ressourcen, um stattdessen mehr zu beobachten und nicht zu bewerten.

Unvollkommene Verarbeitung: Starten Sie neu!

Sie denken Ihre Zukunft vielleicht nicht auf die bestmögliche Weise, oder Ihre Ressourcen, um eines der oben genannten Dinge zu tun, sind begrenzt. Der erste Schritt besteht darin, dies zu akzeptieren, anstatt sich darüber Sorgen zu machen. Akzeptanz kann dem Gehirn helfen, sich weniger in dem Schmerz zu verfangen. Deshalb:

  • Hinterfragen Sie Ihre bisherigen Annahmen. Oft gehen wir bereits mit Erwartungen an jede Entscheidungsfindung heran und versuchen dann das zu sehen, was wir bereits glauben. Hinterfragen Sie diese Erwartungen.
  • Stellen Sie sich das Gegenteil vor: Nutzen Sie für kurze Zeit Selbstgespräche, um sich genau das Gegenteil Ihrer größten Sorge zu sagen.
  • Selbstmitgefühl unterbricht den inneren Kritiker: Nehmen Sie Kritik wahr, reagieren Sie mit Freundlichkeit und Verständnis, anstatt sich selbst anzugreifen, und erinnern Sie sich daran, dass Unvollkommenheit Teil des Menschseins ist.

Wichtig ist, Sie müssen nicht alle diese Strategien gleichzeitig anwenden. Schauen Sie, was Ihnen am besten gelingt und üben Sie. Das Ziel ist nicht, Ungewissheit zu eliminieren. Es geht darum, mit ihr umzugehen.

Den Originalartikel finden Sie unter:

https://www.psychologytoday.com/us/blog/debunking-myths-of-the-mind/202608/how-to-thrive-amid-uncertainty-in-an-endlessly-changing